Life Update – Meine ersten zwei Monate im neuen Leben

 

Ist das Leben wirklich so neu? Wohl kaum, ich trage noch alles in mir, was mich die letzten Jahre über geprägt hat. Was neu ist, ist einfach, dass ich langsam anfange die Reise des Lebens wirklich wahrzunehmen. Bereit bin, mich mir selbst und der Welt zu öffnen. Jedes Mal, wenn ich eine neue Erkenntnis über mich oder beispielsweise über zwischenmenschliche Beziehungen gewonnen habe fühle ich mich unglaublich bereichert. Und so auch habe ich die Worte aus dem letzten Post weitergeführt: Die Komfortzone verlassen bzw. vergrößert und erweitert.

Denn wie gestaltet sich ein Neuanfang, den ich mir hier kreiert habe? Gänge zum Amt, zur Bank, Jobsuche, neuer Handyvertrag, soziale Kontakte, neue Mentalitäten der Menschen um mich herum, Anpassungen, neue Sprache (ja, Schweizerdeutsch ist in der Tat eine eigene Sprache mit eigenen verschiedenen Dialekten) … .

 

Fangen wir einfach mal bei den Klischees und meinen ersten Eindrücken zur Schweiz an.
Ich hatte nach dem Abitur ja eigentlich der französischen Sprache abgeschworen, eigentlich. Auch wenn ich ihr hier noch nicht aktiv begegnen musste, darf ich sie vielerlei auf Produktverpackungen oder Anzeigetafeln wiederfinden. Mit italienisch werde ich auch langsam warm, was bei meinem halbitalienischen Haushalt auch nicht ausbleibt. Die Sprache, die mir am meisten Kopfschmerzen bereitet hat war aber in der Tat das Schweizerdeutsch. Zuerst war es nur ein Gemisch auf vielen „ch“- und „-li“-Worten, aber nach und nach hab ich mich immer mehr eingefunden und muss nicht mehr nach jeden Satz super verwirrt die Stirn runzeln, weil ich ungefähr zwei Wörter sicher identifiziert hatte, diese aber in Kombination gar keinen Sinn ergaben. Man glaubt es kaum, aber meine ersten Wörter, die ich rauf und runter geübt habe waren „Isch guet“. Fragt mich bitte nicht, was daran so schwer ist, aber ich wollte mich einfach nicht mit der Aussage, dass es sich immer noch so deutsch anhört abwimmeln lassen. Von meinen Sprachkünsten dürft ihr euch dann gerne überzeugen lassen, wenn wir uns das nächste Mal sehen.

Eine andere ironische Situation ist mir auch schon widerfahren. Und zwar bin ich immer noch im Prozess mein Visum zu bekommen, das bedeutet aktuell besitze ich noch keine Aufenthaltsgenehmigung. Erstmal ganz unironisch. Der Witz dabei ist aber, dass ich bereits ein Bankkonto anlegen konnte, aber der Mobilfunkanbieter meiner Wahl mich noch keinen Vertrag abschließen lässt. Vielleicht hat sich meiner graublonden Rübe das einfach noch nicht erschlossen oder es ist wirklich so bizarr, wie ich denke.

Außerdem fühle ich mich als Ski- und Snowboardfremdling manchmal ziemlich außerirdisch. Es scheint hier wirklich jeder eine der beiden Sportarten auszuführen und es gibt sogar sogenannte Sportferien. Aber keine Sorge, meine lieben Schweizer Freunde, es steht auf der ToDo-List.

Zum Thema Bahnfahren habe ich auch noch was zu sagen. Ich hoffe ich höre nie wieder jemanden über die deutsche Bahn schimpfen, denn mit der hatte ich noch nie Probleme (auch wenn ich damit vielleicht auch eher allein dastehe), die Schweizer Bahn hatte hingegen schon mehrmals Verspätungen. Nur mal so am Rande erwähnt.

„Die Schweiz ist sauteuer“ – Ja, definitiv. Dem kann und will ich gar nicht widersprechen. Ich glaube „Döner für 12 Franken“ und dergleichen spricht da ganz für sich und muss auch nicht weiter diskutiert werden.

Was mir aber außerordentlich gefällt hier, ist die supergute Schokolade, die wunderschöne vielseitige, natürliche Landschaft, das ländliche Flair Zürichs, die Erreichbarkeit von den kleinsten Dörfern, die Sauberkeit und die Vielseitigkeit (die gibt’s bestimmt auch an vielen Orten in Deutschland, aber da war ich einfach nicht, haha).

 

Womit es mich wirklich gut getroffen hat, und das muss ich einfach nochmal betonen, ist meine „neue“ Schweizer Familie hier. Ihr seid alle auf eure Art einzigartig und wundervoll und habt einiges, was ich von euch Lernen kann und darf. Ich genieße alle neuen Impulse, die ich von euch bekomme.

Keine Familie ist dieselbe, weshalb man auch in jeder eine andere Art von Zusammenleben und Harmonie herrscht. Auch der Begriff von „Familie“ an sich wird von mir noch hinterfragt. Was genau bedeutet das, was für Pflichten ergeben sich, was für Vorteile oder Gegebenheiten allgemein.
Der Abstand von daheim tut mir auch immer noch so gut, auch wenn ich meine lieben Chaoten natürlich sehr vermisse. Aber mein Gehen hat auch bei euch ganz viel verändert und in Bewegung gebracht, und wie ihr nun seht, geht alles in eine gute Richtung – Everything happens for a reason.

 

Ein riesen Ding für mich, war es aber mich sozial zu integrieren. Ein leichtes, fanden alle denen ich daheim davon schrieb, weil ich ich ja in zahlreiche Tanzkurse und Klassen hier gehe und dort doch so viele Menschen zu finden sind. Ja denkste, find du mal den Mut als junge neue schüchterne deutsche Zuwanderin, die dann auch anzusprechen. Für mich ist das jetzt jedoch auch ein Leichtes, denn ich hab es gemacht und es wurde mehr als positiv belohnt. Ich durfte bereits tolle Menschen kennenlernen und darf manche schon zu meinen Freunden zählen.
Man muss dazu sagen, dass ich erst den feigen Weg gewählt habe und über Facebook geschrieben habe, aber aller Anfang ist schwer, wie man so schön zu sagen pflegt.

Wiederum hat mich mein eigenes Motto wieder mehr als überrascht. Es ist schon verrückt wie „zufällig“ die Wege mancher Menschen zusammenpassen und manche eben nicht. Ich bin umso dankbarer für einen wirklich sehr guten neuen Freund, den ich nun habe J Fühlt sich an, als würden wir uns ewig kennen. Wir reden und lachen über alles Mögliche und es fühlt sich absolut nicht seltsam an. Sicher habt ihr sowas auch schon erlebt, oder ihr werdet so etwas mal erleben. Wenn es soweit ist, einfach nicht drüber nachdenken, wie untypisch (auch wieder Ansichtssache) es ist, sich beim dritten Mal verabreden die halbe Lebensgeschichte zu erzählen.

 

Es geht mir wirklich gut und ich bin gespannt auf die nächsten Wochen und Monate und wohin mich das Leben noch so verschlägt. Ich habe mir vorgenommen größtenteils wirklich meines Herz die Entscheidungen zu überlassen und das hat mir wirklich schöne Erfahrungen beschehrt.

 

Knuddler an alle da draußen, schämt euch nicht für das was ihr seid, sondern macht das, was euch glücklich macht, und seid immer auf dem Weg, zu dem, was euer Traum ist, auch wenn es temporär mal schwierig ist. Ich sage gern, dass vieles eine Einstellungssache ist. Ich lasse mich aber auch gern belehren, hihi.

 

Bis bald,

die Anci

 

2 Gedanken zu “Life Update – Meine ersten zwei Monate im neuen Leben

    1. Daniela

      Es ist wirklich sehr schön zu lesen wie gut es Dir im Swizerländli guet geht
      Ich freu mich so sehr, dich bald wieder in die Arme zu nehmen und natürlich auch deine neue Familie 😘

      Gefällt mir

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