Warum ich mache, was ich mache

Ihr Lieben,

Ich bin zur Zeit auf Hochtouren in der Entgiftung. Mein persönlicher Entgiftungsort ist der Kopf, meine Gedanken, meine Ängste und all die Dinge an denen ich mich noch so sehr versuche festzukrallen. Vor lauter Suche nach dem, was mich schwach macht, vor dem was nicht ‚richtig‘ sein kann, nach dem was ich falsch machen ‚könnte‘, fühle ich mich ganz schwach.

Ich sage es immer wieder, ich bin dankbar, für diesen Ort der Unterstützung und Liebe. Denn das heutige Gespräch hat mich wieder aus dem Wirbelsturm gerissen der dort oben herrscht. Es hat mir auch wieder bewusst gemacht, warum ich mache, was ich mache. Ich kann nicht verstehen, bzw. ich will nicht verstehen, wie alle Menschen auf der Erde herumwandern, schlaftrunken von den Reichtümern, Sorgen und Zwängen und dabei sind sich selbst, ihre Beziehungen und ganze Länder zerstören. Es ist wie ein ekliger Virus, der mich total anekelt und zugleich traurig macht. Ich selbst tappe immer wieder rein, in die Falle. Ich bin aber auch schon froh darüber, dass ich mich soweit entwickelt habe, dass ich Dinge anders anschauen kann und Muster erkenne. Langsam taste ich mich auch immer mehr dahinein, was es heißt ein Licht für andere zu sein. Es kommen immer mehr Menschen auf mich zu, die so tief verletzt sind, dass sie es alleine einfach nicht mehr aushalten. Ich weiß, ich kann nicht schnips machen und alles ist wieder gut. Ich hab auch nicht auf alles eine Antwort, bei weitem nicht, aber ich möchte euch so gut es geht an die Hand nehmen. Mit euch atmen. Zusammen sind wir stärker.

 

Ich erzähle euch von meinem eigenen Gefängnis.
Es steht auf einem Fundament von Sorgen. Die Hoffnung in Form eines Ankers ohne Seil, der nicht bereit zum Auswurf ist, erlischt im gleichen Moment, wie sie aufkommt, durch das fiese Anhängsel: ‚,aber weißt du, ich hab kein …/ ich kann nicht…/ mir fehlt…‘. Und da gibt es ja noch zahlreiche mehr. Herzlichen Glückwunsch, ihre Eintrittskarte in das Karussell „Mensch, dein Leben ist abgefuckt, aber das ist ja irgendwie jedes, also ist es halb so wild“ ist erfolgreich validiert worden.

Von Haus aus kenne ich die ständige Sorge um Geld. Ich bin damit aufgewachsen, dass es ständig zuwenig davon zu geben scheint. Keine Urlaube, keine neuste Technik – aber uns gehts ja gut. Die äußerlichen Güter, die alle anderen zu haben schienen, waren für uns einfach mal nicht möglich. Nicht aber, weil es uns nicht gegönnt war. Meine Eltern drehten sich einfach in ihrem eigenen Karussell von Mangel. Diese tief verwurzelte Gefühl von Mangel, dass sich akkumulierte bildete den Grundstein, für mein Fundament aus Sorgen. Denn noch dazu ist es für meine Eltern auch sehr schwierig, Liebe zu zeigen, zu empfinden und zu vermitteln. Das ist alles andere als ein Vorwurf, denn bei Ihnen liegt es auch wieder verwurzelt in ihre Kindheit, und da geht es auch wieder auf die da vorige zurück. Plus die eigenen Erfahrungen begründet auf ihrem Fundament von Sorgen und Ängsten und tada: Da haben wir es wieder. So viel zu dem Überbringer, dieser kleinen Laster, die man eben genau wie gerade gern auf die vorherige Generation schiebt.
Mein kleines, feines, primitives Fundament also brachte mich also auch an die Gedanken, die ich euch in einem anderen Post beschrieben hatte. Ich fühlte mich immer zu wenig schön, zu wenig dünn, zu wenig wertvoll, zu wenig ausgestattet mit Talenten. Einfach mal von allem zu wenig. Ein größerer Einkauf im Laden der positiv/negativ Gedanken wäre auch zu teuer gewesen. Also ihr seht schon.
Im Verlauf meiner Pubertät entwickelte sich aus dem Ganzen dann eine Krankheit, die man allgemein gebräuchlich ‚Bulimie‘ oder ‚Ess-Brech-Sucht‘ nennt. All meinen Mangel, so habe ich dann gelernt, kann ich einfach mit ganz viel Essen und den Freuden am Essen in Gemeinschaft stopfen und das sorgenvoll an meinen zu wenig schlanken und zu wenig schönen Körper gleich auch wieder herauskotzen. Und weiter geht die Spirale.

Nun stehe ich hier, bzw. sitze ich hier, und sage euch mit vollem Mut und ohne den Willen jemals aufzugeben: Leute, nur weil eure Geschichte aussieht, wie sie aussieht, eure Eltern waren, wie sie waren, deren Eltern gemacht haben, was sie gemacht haben und dein Job, deine Beziehung, deine Lebenssituation einfach suboptimal ist, heißt das NICHT, dass es aussichtslos ist. Heißt es nicht, dass man sich dem ganzen hingibt und sich noch mehr Unheil kreiert. SONDERN, wir können anfangen, die Augen zu öffnen. In die Sonne zu schauen und zu sagen „Ja, da möchte ich wieder hin, wieder zurück zu dem Licht, was uns alle verbindet.“. Es ist niemals zu spät oder zu schlimm, um an sich zu arbeiten. Was ich im letzten Jahr auf die Beine gestellt habe, hätte ich niemals gedacht, dass ich dazu im Stande bin. Die Sache ist aber die: ALLES, was wir uns vorstellen können, das ist möglich. Ganz ohne Aber.

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